Schwerin. Der Winter hat Mecklenburg-Vorpommern fest im Griff, und die Landeshauptstadt reagiert darauf wie auf jede andere Herausforderung auch: gar nicht. Während glatte Straßen und Gehwege landesweit für mehr Sturzverletzungen sorgen, verzeichnen die Notaufnahmen in Rostock und Greifswald zwar steigende Fallzahlen, aber keine Überlastung. Was vermutlich daran liegt, dass Schwerin selbst keine Universitätsklinik hat, über die man berichten könnte.
Die typischen Winterverletzungen lesen sich wie das Pflichtprogramm einer Landeshauptstadt, die ihren Winterdienst offenbar per Los vergibt: Brüche an Hand- und Sprunggelenken, Schenkelhalsfrakturen, die gern auch mal operiert werden müssen. Die Universitätsmedizin Greifswald berichtet von einem bemerkenswerten Peak Mitte Januar, als Sturmtief „Elli“ an zwei Tagen jeweils rund zwei Fälle verursachte. Zwei. An einer Universitätsklinik. Für Schwerin wäre das vermutlich bereits der Ausnahmezustand.
Rutschfeste Schuhe: Die Innovation, die Schwerin noch nicht erreicht hat
Die Kliniken appellieren an die Bevölkerung, rutschfeste Schuhe zu tragen und unnötige Wege zu vermeiden. In Schwerin ist Letzteres ohnehin kein Problem. Wer die Straßenbahn verpasst hat, wartet einfach auf die nächste. Bei ganzen vier Linien hat man ja die Qual der Wahl. Und wohin sollte man auch gehen? Zum Schloss rutschen? Am Pfaffenteich Schwäne zählen?
„Viele Menschen mit länger bestehenden Beschwerden suchten aktuell nicht vorschnell die Notaufnahme auf.“
Kliniksprecher, der damit unwissentlich das Schweriner Lebensgefühl zusammenfasst: Beschwerden hat man hier immer, man hat sich nur dran gewöhnt
Weniger Bagatellfälle: Schweriner zu resilient für Arztbesuche
Besonders bemerkenswert ist die Erkenntnis der Kliniken, dass sich viele Patienten bei winterlichen Bedingungen den Weg ins Krankenhaus schlicht sparen. Die offizielle Erklärung: vernünftiges Verhalten. Die Schweriner Erklärung: Man müsste dafür ja erst mal rauskommen. Und wenn man schon seit Wochen Beschwerden hat, macht ein gebrochenes Handgelenk den Kohl auch nicht mehr fett.
Fazit aus der Landeshauptstadt: Während andere Städte Streusalz verteilen, verteilt Schwerin Durchhalteparolen. Die gute Nachricht: Wer hier den Winter übersteht, übersteht auch den Rest. Die schlechte Nachricht: Der Rest ist auch Schwerin.
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