Leute, wir müssen reden. Während andere Städte sich um Wohnraum, Verkehr oder Digitalisierung kümmern, hat unsere geliebte Landeshauptstadt das wirklich Wichtige auf dem Schirm: Dürfen Hunde am Zippendorfer Strand ins Wasser?
Was ein normaler Mensch in drei Minuten mit „Klar, warum nicht“ beantworten könnte, hat bei uns eine Debatte ausgelöst, an der sich mittlerweile fünf Fraktionen, eine Ortsteilvertretung und die gesamte Stadtverwaltung beteiligen. Willkommen in Schwerin.
Alle reden, keiner schwimmt
Die CDU hatte die geradezu revolutionäre Idee, 50 bis 100 Meter des 600 Meter langen Strandes als Hundebereich auszuweisen. Wertschätzung für die knapp 4.000 Hundesteuerzahler, so die Begründung. Nur Schilder aufstellen. Kostet fast nix. Klingt machbar, oder?
Falsch gedacht. Die Verwaltung konterte sofort: EU-Vogelschutzgebiet! Freilaufende Hunde nicht zulässig! Außerdem gebe es „bereits genug Hundestrände“ in der Stadt. Welche das sind? Steht nicht auf der Website. Warum nicht? Weil das laut Verwaltung „schwer auf einer Karte darstellbar“ sei.
Schwimmbereiche für Hunde seien „nur schwer auf einer Karte darstellbar“.
Stadtverwaltung Schwerin, 2026. Im Ernst.
Ja, ihr habt richtig gelesen. In einer Stadt, die sich UNESCO-Welterbe nennt, kann man offenbar keine Gewässer auf einer Karte einzeichnen. Die Digitalisierung in Schwerin scheitert nicht an fehlenden Glasfaserkabeln. Sie scheitert an Seen.
Jede Fraktion hat eine Meinung. Keine davon hilft.
Die AfD will eine bessere Website. Die Grünen wollen einen einjährigen Testlauf. Die Ortsteilvertretung Zippendorf hat am Ende einstimmig gegen alle drei Vorschläge gestimmt. Man müsse dafür „nicht den schönsten Strand der Stadt nehmen“, erklärte der Vorsitzende.
Ergebnis nach Wochen der Debatte: Die Verwaltung soll jetzt prüfen, ob östlich des Strandes eine alternative Bucht infrage kommt. Ein Ergebnis wird frühestens im Herbst erwartet. Dann ist die Badesaison vorbei, aber hey – das hat in Schwerin ja noch nie jemanden gestört.
Manchmal fragt man sich, ob unsere Stadtpolitik eigentlich ein Satireprojekt ist. Spoiler: Nein. Die meinen das ernst. Und genau das macht es so schön traurig. Wenigstens zeigt der Bürgerentscheid zum Parkverkauf, dass die Schweriner sich wehren können, wenn es drauf ankommt. Und beim Böllerverbot sah es ganz ähnlich aus: viel Debatte, null Ergebnis.
Titelbild: Sydney Moore / Unsplash
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