Es war nur eine Frage der Zeit: Schwerin, die Landeshauptstadt, die abends um 20 Uhr so lebendig wirkt wie ein Wartezimmer beim Amtsarzt, führt eine Obergrenze für Spätverkaufsstellen ein. Man möchte fast applaudieren – endlich nimmt jemand dieses außer Kontrolle geratene Nachtleben in den Griff.
Schwerin kurz vor dem Kollaps: Zu viele Spätis!
Die Betreiber der betroffenen Spätverkaufsstellen lehnen die geplante Obergrenze erwartungsgemäß ab. Kein Wunder – schließlich geht es hier um nichts weniger als die Existenzgrundlage einer ganzen Branche. Beziehungsweise um gefühlte fünf Läden.
Denn seien wir ehrlich: Wenn Schwerin über eine Späti-Obergrenze debattiert, dann ist das ungefähr so, als würde ein Dorf mit zwei Ampeln eine Verkehrsleitzentrale einrichten. Oder als würde der Kummerower See über Overtourism klagen.
„Wir können nicht zulassen, dass Schwerin zu einem zweiten Kreuzberg wird. Der nächste Schritt wären Hipster-Bars und Avocado-Toast um Mitternacht.“
– Ein besorgter Stadtverordneter, der offensichtlich noch nie in Berlin war
Berlin zittert: Schwerin will auch cool sein
Tatsächlich wirft die Debatte eine grundsätzliche Frage auf: Ab wie vielen Spätis wird eine Stadt zur Metropole? In Berlin gibt es geschätzt 1.000 Spätverkaufsstellen – dort diskutiert man allerdings eher darüber, ob der Späti auch sonntags Craft Beer verkaufen darf. In Schwerin diskutiert man derweil, ob es überhaupt einen zweiten geben sollte.
Kritiker der Obergrenze warnen bereits vor den Folgen: Ohne ausreichend Spätis müssten Schweriner nach 22 Uhr möglicherweise nach Hause gehen. Ein Szenario, das in der Landeshauptstadt zwar schon seit Jahrzehnten Realität ist, aber jetzt wenigstens einen offiziellen Grund hätte.
Nächste Sitzung: Obergrenze für Dönerbuden?
„Erst die Spätis, dann die Dönerbuden, dann die Friseure – am Ende reguliert die Stadt noch, wie viele Rentner gleichzeitig auf einer Parkbank sitzen dürfen.“
– Ein Späti-Betreiber, der anonym bleiben möchte
Die Stadtverwaltung hat derweil angekündigt, die Situation sorgfältig zu prüfen. Ein Gutachten soll klären, wie viele Spätverkaufsstellen eine Stadt mit 100.000 Einwohnern verträgt, in der die meisten Bürger ohnehin um 21 Uhr im Bett liegen. Die Kosten für das Gutachten dürften den Jahresumsatz aller Spätis zusammen übersteigen.
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