Kurioses

Schwerin führt Mindestverweildauer für Touristen ein: Wer das Schloss fotografiert, muss mindestens zwei Stunden bleiben

Die Landeshauptstadt Schwerin greift zu drastischen Maßnahmen gegen das sogenannte „Schloss-und-Tschüss-Phänomen“. Ab März soll eine kommunale Mindestverweildauer von zwei Stunden für alle Besucher gelten, die das Schweriner Schloss fotografieren. Kontrolliert wird das Ganze durch ein digitales Zeiterfassungssystem am Schlosseingang.

„Wir verlieren jährlich Millionen, weil Touristen aus dem Reisebus steigen, einmal das Schloss knipsen und direkt weiterfahren“, erklärte Stadtsprecherin Bettina Voß-Klemke bei einer Pressekonferenz. „Manche schaffen das in unter vier Minuten. Das ist respektlos gegenüber unserer einzigen Sehenswürdigkeit.“

Zeiterfassung per QR-Code und Schranke

Das System sieht vor, dass Besucher beim Betreten des Schlossareals einen QR-Code scannen. Wer vor Ablauf der zwei Stunden das Gelände verlassen möchte, wird von einer freundlichen Absperrung daran erinnert, dass Schwerin noch so viel mehr zu bieten hat. Eine eigens erstellte Broschüre listet Aktivitäten auf, mit denen sich die Wartezeit überbrücken lässt: „Schwäne am Pfaffenteich zählen“, „Auf einer Bank sitzen und nachdenken“ sowie „Ein zweites Foto vom Schloss machen, diesmal aus einem anderen Winkel“.

Zwei Stunden in Schwerin fühlen sich an wie ein ganzer Urlaub. Nicht im positiven Sinne.

Werner K. (68), Rentner und professioneller Schwanefütterer am Pfaffenteich

Rostock reagiert mit Schadenfreude

Aus Rostock hieß es, man beobachte die Entwicklung „mit großem Interesse und noch größerer Belustigung“. Rostocks Tourismuschef Sven Griebenow merkte an, dass seine Stadt das umgekehrte Problem habe: „Bei uns bleiben die Leute freiwillig länger als geplant. Verrücktes Konzept, ich weiß.“

Der Deutsche Tourismusverband bewertete die Maßnahme als „bundesweit einzigartig“. Eine Sprecherin räumte allerdings ein, dass dies für Schwerin nicht zwingend ein Kompliment sei. Laut einer internen Erhebung verbringen Touristen in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns im Schnitt 47 Minuten, wobei 23 Minuten davon auf die Parkplatzsuche entfallen.

Die Stadtvertretung debattiert unterdessen bereits über eine Erweiterung des Programms: Ab 2027 sollen Touristen verpflichtet werden, mindestens einen Magneten im Schloss-Souvenirladen zu kaufen.

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