Infrastruktur

Schwerin führt fünfte Straßenbahnlinie ein: Strecke führt direkt zum Hamburger Hauptbahnhof

Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Freitag ihre lang erwartete fünfte Straßenbahnlinie vorgestellt. Die Linie 5 soll ab Sommer 2027 den Marienplatz mit dem Hamburger Hauptbahnhof verbinden und damit das bisherige Streckennetz um satte 25 Prozent erweitern.

„Wir haben lange analysiert, wohin die Schwerinerinnen und Schweriner eigentlich wollen“, erklärte Verkehrsdezernent Klaus-Peter Ribbentrop bei der Präsentation. „Die Antwort war eindeutig: Hamburg. Also bauen wir dahin.“

120 Kilometer Schienen für die Ehrlichkeit

Die neue Linie wird mit einer Streckenlänge von 120 Kilometern die mit Abstand längste Straßenbahnstrecke Europas. Geplant sind 47 Haltestellen, von denen sich allerdings nur drei auf Schweriner Stadtgebiet befinden. Die restlichen 44 verteilen sich auf Gemeinden, die laut Ribbentrop „schon immer Transitstrecke für abwandernde Schweriner waren“.

„Endlich eine ehrliche Infrastrukturmaßnahme. Bisher mussten wir mit dem Regionalexpress zwei Stunden nach Hamburg fahren. Jetzt dauert es mit der Straßenbahn nur noch sechs.“

Lena M. (24), die nächste Woche nach Hamburg zieht

Besonders stolz ist die Stadtverwaltung auf die prognostizierten Fahrgastzahlen. Eine interne Studie ergab, dass bereits 94 Prozent der unter 30-Jährigen ein Monatsticket für die Linie 5 kaufen würden. Allerdings nur für die Hinfahrt.

Rückfahrt „nicht vorgesehen“

Auf Nachfrage, ob die Linie auch in Gegenrichtung verkehren werde, reagierte der Dezernent ausweichend. „Theoretisch ja. Praktisch rechnet sich das nicht. Unsere Marktforschung zeigt keinerlei Nachfrage für die Strecke Hamburg nach Schwerin.“ Man wolle aber eine Sonderfahrt zu Weihnachten anbieten, „wenn die Kinder ihre Eltern besuchen“.

Die Opposition kritisierte das Projekt scharf. „Vier Linien reichen völlig aus“, so CDU-Fraktionschef Hartmut Breitner. „Außerdem brauchen wir die Schienen für eine viel wichtigere Strecke: vom Schloss zum Parkplatz und zurück. Damit die Touristen wenigstens 20 Minuten länger bleiben.“

Die Baukosten werden auf 3,2 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht dem kompletten Jahreshaushalt Schwerins. Laut Ribbentrop sei das Geld aber gut investiert: „Wenn alle weg sind, sparen wir die Kosten für den Rest der Infrastruktur.“

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