Vorpommern/Schwerin. Der Regionale Planungsverband Vorpommern hat einen bahnbrechenden Ansatz im Klimaschutz gefunden: Man definiert die Probleme einfach weg. Mit großer Mehrheit wurde beschlossen, dass die Friedländer Wiese, das Trebeltal zwischen Tribsees und Bad Sülze sowie Teile der Haffregion auf Usedom ab sofort keine Moore mehr sind. Die Natur wurde über die Entscheidung bislang nicht informiert.
Waage weg, Problem weg
„Das ist eine mutige und zukunftsweisende Entscheidung“, erklärte ein Vertreter des Planungsverbands, der den gleichen rhetorischen Ansatz verfolgt wie jemand, der seine Waage wegwirft und sich danach für schlank erklärt. Die über 100 Quadratkilometer große Friedländer Wiese – eines der bedeutendsten trockengelegten Moore Norddeutschlands – sei nun offiziell einfach nur noch eine Wiese. Eine sehr, sehr nasse Wiese, aber eben kein Moor.
Man wolle Verfahren vereinfachen und die landwirtschaftliche Produktion „im Kriegsfall“ sicherstellen. Denn bekanntlich gewinnt man moderne Kriege vor allem mit Rinderfutter aus Vorpommern.
Begründung des Landrats Stefan Kerth
Auch die Angst vor steigendem Grundwasser wurde ins Feld geführt – obwohl genau das bei trockengelegten Mooren das geringste Problem ist. Die Torfböden pusten derweil fröhlich weiter CO₂ in die Atmosphäre, aber das steht ja jetzt nicht mehr im Raumentwicklungsplan, also existiert es quasi nicht.
Kein Moor, kein Problem
Knapp 40 Moorschützer protestierten vor dem Sitzungsgebäude. Ein Antrag der Grünen gegen die Streichung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt, wobei die klimaschädlichen Emissionen in der Debatte schlicht nicht erwähnt wurden. Man kann Probleme eben auch lösen, indem man sie konsequent ignoriert – eine Kernkompetenz, die in MV seit Jahrzehnten perfektioniert wird.
Der Bund hat 1,7 Milliarden Euro für die Renaturierung von Mooren bereitgestellt. In Vorpommern hat man nun offenbar einen eleganteren Weg gefunden: Kein Moor, kein Problem. In Schwerin arbeitet das Umweltministerium derweil noch an Konzepten zur Wiedervernässung – ein Wettlauf zwischen Wissenschaft und Bürokratie, bei dem die Bürokratie traditionell die Nase vorn hat.
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