Es ist ein Paukenschlag für die Landeshauptstadt: Wie am Freitagabend bekannt wurde, haben die 14 verbliebenen Schwäne des Pfaffenteichs einen formellen Umsiedlungsantrag bei der Stadt Rostock eingereicht. In dem dreiseitigen Schreiben, das der Redaktion vorliegt, beklagen die Tiere unter anderem ein „mangelndes kulturelles Angebot“, „einseitige Ernährung durch überalterte Brotkrumen“ und eine „fehlende Perspektive für junge Schwanenfamilien“.
„Wir sind seit Generationen die einzige kostenlose Attraktion dieser Stadt„, heißt es in dem Antrag. „Während andere Gewässer mit Fontänen, Cafés und Abendprogramm aufwarten, bietet der Pfaffenteich: uns. Und eine Parkbank. Das reicht nicht mehr.“
Rostock prüft Antrag „mit großem Interesse“
Die Hansestadt Rostock bestätigte den Eingang des Antrags. Pressesprecher Malte Severin erklärte, man prüfe die Aufnahme „wohlwollend“: „Rostock bietet mit der Warnow, dem Stadthafen und der Ostsee deutlich attraktivere Gewässeroptionen. Wir können nachvollziehen, dass ambitionierte Schwäne sich weiterentwickeln wollen.“
Ohne die Schwäne ist der Pfaffenteich nur noch ein kaltes Loch mit Tretbootverleih. Und der Tretbootverleih hat seit November geschlossen.
Bernd Wullenweber, Anwohner und selbsternannter Schwanenbeauftragter
Schwerin bietet Zugeständnisse: beheiztes Wasser und Bio-Brot
Die Schweriner Stadtverwaltung reagierte am Samstagmorgen mit einem Gegenangebot. Man werde den Pfaffenteich „winterfest machen“, eine Brotqualitätsoffensive starten und prüfen, ob die Schwäne einen eigenen Instagram-Account bekommen könnten. „Wir nehmen die Bedürfnisse unserer Schwäne sehr ernst“, sagte Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. „Sie sind ein wichtiger Standortfaktor. Ohne sie hätten Touristen keinen Grund, länger als 45 Minuten zu bleiben.“
Bisher liegt die durchschnittliche Besuchsdauer von Tagestouristen in Schwerin bei 47 Minuten. Davon entfallen laut einer Studie des Fremdenverkehrsamts 22 Minuten auf das Schloss, 11 Minuten auf die Schwäne und 14 Minuten auf die Suche nach einem geöffneten Restaurant.
Die Schwäne haben Rostock eine Frist bis zum 15. Februar gesetzt. Sollte bis dahin keine Zusage vorliegen, werde man alternativ einen Antrag in Lübeck prüfen.
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