Schwerin. Es gibt Ereignisse, die selbst die treuesten Schwerin-Skeptiker kurz innehalten lassen. Der SSC Palmberg Schwerin empfängt die DSC-Volleyballerinnen aus Dresden zum Ostklassiker. Ein Duell zweier ostdeutscher Volleyball-Hochburgen, und für einen Abend wird die Landeshauptstadt tatsächlich zu einem Ort, an den Menschen freiwillig anreisen.
Der Ostklassiker gehört zu den traditionsreichsten Begegnungen im deutschen Frauenvolleyball. Schwerin gegen Dresden, Palmberg-Arena gegen DSC-Fanblock, Bundesliga-Spitzenklasse in einer Stadt, deren Kulturangebot sonst hauptsächlich aus dem Staatstheater und dem Schweriner Schloss besteht. Letzteres ist bekanntlich eher zum Anschauen als zum Anfeuern gedacht.
Schwerin auf der Sport-Landkarte
Der SSC Palmberg Schwerin ist einer der wenigen Gründe, warum die Landeshauptstadt regelmäßig in Sportberichten auftaucht, die nicht vom Schweriner Seeschwimmen handeln. Während andere Städte Fußball-Bundesliga, Handball-Champions-League und Leichtathletik-Weltmeisterschaften bieten, hat Schwerin den Volleyball. Und zwar richtig guten. Die Ironie will es, dass ausgerechnet eine Randsportart der Stadt zu nationalem Ansehen verhilft.
Wenn die Palmberg-Arena voll ist, hat Schwerin für zwei Stunden mehr Energie als die gesamte Fußgängerzone an einem Samstag.
Ein Volleyball-Fan aus der Landeshauptstadt
Dresden kommt, sieht, und fährt wieder
Die Dresdner Fans nehmen für das Duell einiges auf sich. Die Anreise aus Sachsen nach Mecklenburg-Vorpommern ist eine Expedition, die je nach Verkehrslage und Zustand der Bundesstraßen zwischen vier und gefühlt zwölf Stunden dauert. Am Schweriner Hauptbahnhof angekommen, stellt sich dann die unvermeidliche Frage: Was macht man in Schwerin vor dem Spiel? Die Antwort ist überschaubar. Schloss anschauen, am Pfaffenteich entlangspazieren, Kaffee trinken. Nach 45 Minuten hat man alles gesehen.
Doch wenn der Anpfiff ertönt und die Palmberg-Arena bebt, ist das alles vergessen. Für zwei Sätze, drei Sätze, vielleicht sogar fünf, ist Schwerin das Zentrum der deutschen Volleyball-Welt. Danach fahren alle wieder nach Hause.
Schwerin beweist einmal mehr: Man braucht kein ICE-Drehkreuz und keine Millionen-Einwohner, um Sport-Geschichte zu schreiben. Man braucht nur ein Netz, einen Ball und eine Arena, in der es lauter ist als bei jeder Stadtvertretungssitzung.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
