Politik

OB-Wahl Schwerin: Erstmals mehr Kandidaten als Straßenbahnlinien

Schwerin. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns steht vor einer historischen Premiere: Bei der Oberbürgermeisterwahl am 12. April treten sieben Kandidaten an. Das sind fast doppelt so viele, wie die Stadt Straßenbahnlinien hat.

Auslöser des Spektakels ist der überraschende Rücktritt von Bernd Nottebaum (SPD), der nach neun Jahren im Rathaus feststellte, dass er lieber wieder Gehirne scannen möchte. Der studierte Neuroradiologe hatte offenbar nach jahrelanger Arbeit mit der Schweriner Stadtvertretung die dringende Notwendigkeit erkannt, sich wieder mit Organen zu beschäftigen, die nachweislich funktionieren.

Das Kandidatenfeld: Ein bunter Querschnitt der Entschlossenheit

Als Erster meldete sich der fraktionslose Stadtvertreter Heiko Steinmüller, im Hauptberuf Betreiber der Schweriner Kneipe „Scotsman“. Sein offizieller Wahlkampfslogan „Für mehr Metal und Punk im Rathaus“ gilt unter politischen Beobachtern als das ambitionierteste Kulturprogramm, das die Landeshauptstadt seit der Bundesgartenschau 2009 gesehen hat. Steinmüller selbst schätzt seine Chancen als „minimal“ ein, was ihn zum realistischsten Kandidaten im Feld macht.

Die CDU schickt Stadtpräsident Sebastian Ehlers ins Rennen, der die Sitzungen der Stadtvertretung bereits seit Jahren leitet und nun offenbar auf die andere Seite des Tisches möchte. SPD und Linke mussten derweil ihre Kräfte bündeln, um mit Mandy Pfeifer überhaupt eine einzige Kandidatin aufzustellen. Ein Zusammenschluss, den Politikwissenschaftler wahlweise als „pragmatisch“ oder „besorgniserregend“ bezeichnen dürften.

Als besonders bemerkenswert gilt die Kandidatur von Lars Schubert, der Schwerin einst verließ, in Niedersachsen der FDP beitrat und nun nach 24 Jahren zurückkehrt, um die Stadt zu retten. Bereits 2002 kandidierte er erfolglos als Oberbürgermeister, was zumindest beweist, dass der Mann keine Angst vor aussichtslosen Projekten hat.

Ich finde es schön, dass sich so viele bewerben. So viel Auswahl haben wir sonst nur beim Schlange stehen an der einzigen offenen Kasse bei Edeka am Marienplatz.

Helga P. (71), Rentnerin, am Pfaffenteich

Derweil wirbt Volt-Kandidat Massimo De Mattheis für „Vereinigte Staaten von Europa auf Kommunalebene“. Viele Schweriner versuchen noch, das Konzept gedanklich zu verarbeiten, während sie an der Haltestelle auf eine der vier Straßenbahnlinien warten. Die AfD setzt auf Petra Federau, die vor allem mehr Sicherheit und Videoüberwachung fordert. Bei einer Stadt, in der sich Fußgänger und Schwäne regelmäßig um die Vorherrschaft am Pfaffenteich streiten, durchaus nachvollziehbar.

Experten: „Historische Dichte an politischer Ambition“

Psychotherapeutin Aileen Wosniak (ASK) komplettiert das Feld mit Forderungen nach feministischer Stadtentwicklung und mehr Tierschutz. Damit deckt das Kandidatenfeld inhaltlich eine Bandbreite ab, die von „Metal im Rathaus“ bis „Vereinigte Staaten von Europa“ reicht. Selbst der Schweriner Schlossgeist Petermännchen soll Insidern zufolge kurz über eine Kandidatur nachgedacht haben, diese aber verworfen haben, nachdem ihm jemand das aktuelle Haushaltsdefizit der Stadt zeigte.

Beobachter rechnen mit einer höheren Wahlbeteiligung als 2023. Vorausgesetzt, die vier Straßenbahnlinien fahren am 12. April planmäßig und die knapp 79.000 Wahlberechtigten finden zwischen den sieben Kandidatenplakaten noch die Bushaltestelle.

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2 Kommentare

  1. Hübscher Artikel. Aber warum wird ausgerechnet und einzig der Name der Kandidatin von SPD/Linke NICHT genannt? Zufall, Absicht, Schludrigkeit? Sollte selbst „Schwerin ist Geil“ nicht passieren.

    1. Erwischt! Da hast du völlig recht — Frau Pfeifer hatte als einzige keinen namentlichen Auftritt, und das war weder Absicht noch Satire, sondern schlicht ein Versäumnis. Ist korrigiert. Danke für den Hinweis — aufmerksame Leser sind das Beste, was einer Satireseite passieren kann. 👍

Kommentare sind geschlossen. Wie die meisten Geschäfte in der Schweriner Innenstadt nach 18 Uhr.