Politik

OB-Wahl: Göttinger Unternehmer will Schwerin nach 24 Jahren Abwesenheit retten

Schwerin. Es gibt Nachrichten, die selbst die hartgesottensten Bewohner der Landeshauptstadt aus ihrem winterlichen Dämmerschlaf reißen. Lars Schubert (56) will Oberbürgermeister von Schwerin werden. Schon wieder. Vor 24 Jahren scheiterte der damalige SPD-Mann gegen Norbert Claussen – damals war Schubert 32, voller Träume und offensichtlich noch nicht ausreichend desillusioniert von der Schweriner Kommunalpolitik.

Nun kehrt der Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer aus Göttingen zurück. Ja, richtig gelesen: aus Göttingen. Der Mann, der Schwerin retten will, hat die Stadt vor über zwei Jahrzehnten verlassen. Man könnte sagen, er hat damals die klügste Entscheidung seines Lebens getroffen – und will sie jetzt rückgängig machen.

„Ich komme nicht, um Mangel zu verwalten“

Schubert, inzwischen von der SPD zur FDP gewandert, tritt als Einzelbewerber an – mit liberaler Rückendeckung und Sätzen, die auf jedes Wahlplakat zwischen Lankow und Großem Dreesch passen würden. „Wer glaubt, man könne die Herausforderungen der nächsten Jahre mit einem ‚Weiter so!‘ bewältigen, täuscht sich – oder täuscht die Bürger“, donnerte er bei seinem Wahlkampfauftakt.

„Die Stadt lebt wie damals vor zwanzig Jahren am Tropf der alten Bundesländer – finanziert von Ausgleichsmechanismen, Förderprogrammen und externen Transfers. Diese Mittel versiegen nun sichtbar.“

Lars Schubert, OB-Kandidat und Experte für strategische Abwesenheit

Dass ausgerechnet jemand, der die Stadt vor Jahrzehnten verließ, nun ihre Finanzkrise diagnostiziert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schuberts Konkurrenten – Sebastian Ehlers (CDU), Petra Federau (AfD), Mandy Pfeifer (SPD), Heiko Steinmüller (parteilos), Aileen Wosniak (ASK) und Massimo de Matteis (Volt) – dürften sich jedenfalls fragen, ob der Mann auch 24 Jahre Steuern in Schwerin gezahlt hat.

Kehrtwende in der Landeshauptstadt – wohin genau?

Schubert verspricht „mehr Bürgernähe“ und eine „Kehrtwende“ in der Wirtschaftspolitik. Was genau das für eine Stadt bedeutet, deren wirtschaftliche Highlights die Landesregierung und ein Schloss sind, bleibt kreativ offen. Vielleicht ein zweites Schloss? Ein ICE-Anschluss, der auch tatsächlich fährt? Die Möglichkeiten wären endlos – wenn Schwerin dafür Geld hätte.

Am 12. April wird gewählt. Ob Schwerin dann einen Oberbürgermeister bekommt, der die Stadt nie verlassen hat, oder einen, der nach 24 Jahren Göttingen zurückkehrt, um den Laden zu retten – die Landeshauptstadt bleibt in jedem Fall unterhaltsam. Zumindest politisch.

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