Infrastruktur

NVS erhöht Preise und streikt direkt danach – Schwerin zeigt, wie Kundenbindung geht

Der Nahverkehr Schwerin (NVS) hat für das kommende Wochenende ein Maßnahmenpaket geschnürt, das in seiner Eleganz seinesgleichen sucht: Am Samstag, 1. Februar, steigen die Fahrpreise. Am Sonntag, 2. Februar, fahren keine Busse und Bahnen. Man könnte es als Zufall bezeichnen. Man könnte es aber auch als die ehrlichste Form von Preiskommunikation betrachten, die Schwerin je gesehen hat.

Erst zahlen, dann laufen

Die Einzelfahrkarte im Stadtnetz steigt von 2,50 auf 2,70 Euro. Im Gesamtnetz sind es künftig 4,00 statt 3,70 Euro. Geschäftsführer Thomas Schlüter sprach von „langfristig verlässlichem Betrieb“ und „zukunftsfähiger Infrastruktur“. Dass die zukunftsfähige Infrastruktur der Landeshauptstadt aus ganzen vier Straßenbahnlinien besteht, wurde in der Pressemitteilung nicht erwähnt.

Nur einen Tag nach der Preiserhöhung legt die Gewerkschaft ver.di einen Warnstreik ein. Sämtliche Fahrten auf allen Bus- und Straßenbahnlinien entfallen am 2. Februar komplett. Der NVS empfiehlt, „alternative Verkehrsmittel“ einzuplanen. In einer Stadt, in der die Alternative zum Bus das Fahrrad, die Beine oder der Umzug nach Hamburg ist, ein durchaus kreativer Vorschlag.

„Ich habe erst die neuen Preise gesehen und dachte: Dafür müssen die aber auch was bieten. Einen Tag später die Antwort: gar nichts.“

Eine Pendlerin aus Lankow, die jetzt doch das Deutschlandticket nimmt

Petermännchenkarte gestrichen – Schwerin verliert ein Stück Seele

Nebenbei verschwinden auch noch das Semesterticket, die Wochenkarte und die legendäre Petermännchenkarte aus dem Sortiment. Letztere war eine der wenigen Dinge, die Schwerin von anderen Städten unterschieden – ein Ticket, das so hieß wie das Schlossgespenst. Ersetzt wird die Familientageskarte durch eine Gruppentageskarte, die von bis zu fünf Personen genutzt werden kann. „Unabhängig vom Familienstand“, wie der NVS betont, was in einer Stadt mit dieser Altersstruktur vermutlich vor allem Seniorengruppen auf dem Weg zum Pfaffenteich betrifft.

Der Regelbetrieb soll am Dienstag, 3. Februar, ab 4 Uhr wieder aufgenommen werden. Erstattungen gibt es nicht. Schwerin 2026: Mehr zahlen, weniger fahren, Petermännchen ist Geschichte. Aber das Schloss steht noch.

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