Wirtschaft

Le Tresor Schwerin: Luxushotel-Ruine wird zur teuersten Sehenswürdigkeit nach dem Schloss

Die Landeshauptstadt Schwerin, bisher ausschließlich für ihr Schloss und die damit verbundene touristische Verweildauer von durchschnittlich 47 Minuten bekannt, darf sich über eine zweite Sehenswürdigkeit freuen: eine verwaiste Luxushotel-Baustelle in der Friedrichstraße. Das geplante „Le Tresor“ sollte eigentlich im Sommer 2024 eröffnen, doch statt Champagner-Empfängen gibt es nun Insolvenzverfahren am Amtsgericht.

Der österreichische Investor Udo Chistée, dessen Name klingt wie ein Dessert, das man sich nicht leisten kann, hatte offenbar große Pläne für die Schweriner Hotellerie. Von seinem Firmensitz in Kuhlen-Wendorf – standesgemäß in der Schlossallee gelegen – dirigierte er ein gutes Dutzend Briefkastenfirmen mit so einprägsamen Namen wie EHC Hotelbesitz GmbH, SHC Hotelbesitz GmbH, DHC Hotelbesitz GmbH und was das Alphabet sonst noch hergibt.

110 Millionen Euro Schulden – fast so viel wie Schwerins gesamter Haushalt

Drei dieser Firmen sind nun offiziell zahlungsunfähig. Über Chistées österreichische Holding wurde bereits im November ein Konkursverfahren eröffnet. Die Gesamthaftung: 110 Millionen Euro. Zum Vergleich: Davon könnte man die Straßenbahn in Schwerin ungefähr 15 Jahre lang betreiben – alle vier Linien.

„Wir haben dem Investor damals natürlich Fördermittel bewilligt. Er wirkte sehr seriös – er trug einen Anzug und kam aus Österreich.“

Ein Sprecher des Landes MV, der namentlich nicht genannt werden möchte

Das Land MV hatte dem Projekt tatsächlich Fördergelder zugesprochen. Ob und wie viel davon nun weg ist, wird sich zeigen – der vorläufige Insolvenzverwalter, ein Hamburger Rechtsanwalt, dürfte jedenfalls gut beschäftigt sein. Allein die Firmenschilder am Wendorfer Gebäude abzuschrauben dauert vermutlich einen halben Tag.

Bauzaun verschwunden – einziges sichtbares Ergebnis der Insolvenz

Besonders tragisch: Seit der Konkursmeldung ist sogar der Bauzaun vor dem Le Tresor verschwunden. Ob er gepfändet, gestohlen oder einfach vom Schweriner Herbstwind davongetragen wurde, ist unklar. Für Anwohner der Friedrichstraße hat die Situation immerhin einen Vorteil – sie können das unfassbar hässliche Mauerwerk der Bauruine jetzt unverstellt bewundern.

Die Stadt Schwerin zeigt sich derweil gelassen. Man sei es gewohnt, dass große Versprechen in der Landeshauptstadt nicht eingelöst werden – das sei schließlich seit der Wende Tradition. Das Le Tresor reiht sich damit würdig ein zwischen dem nie gebauten ICE-Halt, dem nie belebten Marienplatz und der nie erreichten 100.000-Einwohner-Marke. Immerhin: Als Fotomotiv für Instagram taugt die Ruine allemal. #SchwerinIstGeil

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