Gesellschaft

Kulturförderung auf Schweriner Art: Betrunkener beklaut Straßenmusiker und verprügelt Zeugen

Schwerin – Die Landeshauptstadt hat am Samstagnachmittag einmal mehr bewiesen, warum sie den Ruf als kulturelles Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns völlig zu Recht genießt: Auf dem Marienplatz bestahl ein 48-Jähriger einen Straßenmusiker – und schlug anschließend einem Passanten, der den Diebstahl beobachtet hatte, mit der Faust ins Gesicht.

Der 49-jährige Trommler hatte gegen 14.40 Uhr sein Instrument ausgepackt und einen Kasten für freiwillige Spenden aufgestellt. Was folgte, war gewissermaßen Schweriner Kulturpolitik in Reinform: Ein polizeibekannter Mann mit 2,28 Promille bediente sich am Spendenkasten und wollte weitergehen. Dass er polizeibekannt ist, überrascht in diesem Zusammenhang ungefähr so sehr wie Regen im November.

Zivilcourage mit Nebenwirkungen

Ein 50-jähriger Passant bewies den in Schwerin eher seltenen Mut, den Dieb anzusprechen. Der ließ das Geld zwar fallen – revanchierte sich aber mit einem Faustschlag ins Gesicht des hilfsbereiten Bürgers. Man kennt das: Wer in der Landeshauptstadt den Mund aufmacht, bekommt ihn schnell wieder zugemacht.

Die herbeigerufene Polizei stellte beim Täter die besagten 2,28 Promille fest und erteilte ihm einen Platzverweis für den Marienplatz bis Sonntagmorgen, 6 Uhr. Er darf den Platz also pünktlich zum Frühstück wieder betreten – sofern dort bis dahin noch jemand Musik macht.

„Ich spiele seit Jahren auf dem Marienplatz. Dass jemand meine Einnahmen klaut, ist nicht neu – aber normalerweise machen sie es subtiler. In Hamburg hätte ich von den Einnahmen wenigstens leben können. Hier lohnt sich nicht mal der Diebstahl.“

Ein Schweriner Straßenmusiker, der anonym bleiben möchte

Schwerin: Wo Straßenmusik zum Extremsport wird

Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf die kulturelle Infrastruktur der Landeshauptstadt. Während andere Städte Straßenmusiker mit Genehmigungen, Förderprogrammen und respektvollem Publikum unterstützen, bietet Schwerin das volle Paket: Diebstahl, Körperverletzung und einen Platzverweis als Höchststrafe.

Der 50-jährige Zeuge wurde leicht im Gesicht verletzt, benötigte aber keine weitere medizinische Versorgung. Die Landeshauptstadt empfiehlt ihren Bürgern weiterhin, bei kulturellen Veranstaltungen auf dem Marienplatz grundsätzlich mit allem zu rechnen.

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1 Kommentar

  1. Das geht doch besser? Also statt einem Trommler paar Cent abzunhemen – da gibt es doch viel lohnendere Zielgruppen. Im Minutentakt holen Pfandsammler heiß begehrtes Plastik aus den Eimern. Manch ein Sammelnder hat das begehrte gut gar fein verpackt in Tüten bereit. Hier zack, einfach schnappen, runter in Merienplatzgalerie und feines shoppen mit dem Pfandbon. Im Hintergrund hört man dann zumindest das rythmishce klopfen der Trommler. Und von dem Pfandgeld könnte man den Musikern dann was abgeben. Win, win, win Situation.

Kommentare sind geschlossen. Wie die meisten Geschäfte in der Schweriner Innenstadt nach 18 Uhr.