Schwerin hat einen neuen Effizienz-Rekord aufgestellt, und diesmal kommt er ausnahmsweise nicht aus der Verwaltung. Der frisch vereidigte Stadtvertreter Stephan Schrör von der Aktionsgruppe Stadt und Kulturschutz (ASK) hat am Montagabend sein komplettes politisches Mandat in beeindruckenden 70 Sekunden abgewickelt. Vereidigung, kurzer Blick in den Saal, Abgang. Fertig.
Demokratie im Schnelldurchlauf
Was andere Politiker in vier Jahren nicht schaffen, erledigte Schrör in etwas mehr als einer Minute: Er machte seinen Standpunkt deutlich. Als Nachrücker für den ausgeschiedenen Stadtvertreter Stephan Martini betrat er den Sitzungssaal, ließ sich vereidigen und verließ ihn sofort wieder. In den sozialen Medien veröffentlichte er anschließend eine Erklärung, in der er Kritik an der politischen Kultur in Schwerin äußerte. Man könnte sagen: Er hat die Stadtvertretung genau so lange ertragen, wie die Stadtvertretung verdient.
„70 Sekunden sind für Schweriner Verhältnisse eine durchaus produktive Sitzungsteilnahme. Manche Stadtvertreter sitzen jahrelang da und bewirken weniger.“ – Ein langjähriger Beobachter der Kommunalpolitik
Stadtpräsident empört: So geht Demokratie nicht
Stadtpräsident Sebastian Ehlers (CDU) zeigte sich erwartungsgemäß empört. Er habe „kein Verständnis für dieses inszenierte Politik-Theater der ASK“, erklärte er und verwies darauf, dass die vielen einstimmigen Beschlüsse der Sitzung gezeigt hätten, wie gut die Stadtvertretung funktioniere. Dass Einstimmigkeit in einer Demokratie auch ein Zeichen für mangelnde Debatte sein könnte, ließ er diplomatisch unerwähnt.
„Wer die Stadtvertretung in dieser Art und Weise diskreditiert, erweist unserer Demokratie einen Bärendienst.“ – Sebastian Ehlers, Stadtpräsident
Schwerin: Wo selbst der Protest effizient ist
Die Landeshauptstadt hat damit bewiesen, dass sie auch im Bereich politischer Protest Maßstäbe setzen kann. Während in Berlin Abgeordnete wochenlang für Schlagzeilen sorgen müssen, reichen in Schwerin 70 Sekunden. Schrör kündigte an, sein Mandat schriftlich zurückzugeben. Erst danach kann der Sitz neu besetzt werden. Die Frage, ob der nächste Nachrücker es auf 71 Sekunden schafft, beschäftigt bereits die lokalen Wettbüros.
Eines muss man Schwerin lassen: In keiner anderen Landeshauptstadt Deutschlands ist die Politik so erfrischend kurz.
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