Schwerin hat ein neues kulturelles Highlight und es ist genau so, wie man es sich vorstellt: Drei Männer laufen durch die Gegend, reden Platt und weinen dabei. Die neue Komödie „Rup un Runner“ feierte am Donnerstagabend Premiere in der M*Halle und bewies, dass man auf Niederdeutsch sowohl tiefgründig als auch vollkommen albern sein kann.
Das Stück handelt von drei Freunden, die einen Gipfel besteigen wollen, um an ihren verstorbenen Kumpel Christian zu erinnern. Klingt erstmal nach ARD-Mittwochsfilm. Wird aber schnell zu einer urkomischen Bestandsaufnahme des männlichen Gefühlshaushalts, in dem unbezahlte emotionale Rechnungen neben Reiswaffeln im Rucksack liegen.
Hochzeitsrede aus dem Internet und ein Glückskondom
Die drei Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Steffen steht kurz vor der Hochzeit, hat aber plötzlich Zweifel, ob ein Leben mit nur einer Frau wirklich das Maximum darstellt. Seine aus dem Internet heruntergeladene Hochzeitsrede kommt bei den Kumpels so gut an wie ein Wlan-Passwort auf einer Beerdigung.
Daniel ist frisch getrennt und versucht, seinen Schmerz hinter Ironie zu verstecken, was in Mecklenburg-Vorpommern als völlig normaler Gemütszustand durchgeht. Er grübelt, ob ein neuer Job auch ein neuer Anfang sein kann, und streitet sich währenddessen darüber, warum Toni keine Reiswaffeln eingepackt hat.
Und dann ist da Toni, der seit drei Jahren ein unbenutztes Kondom in der Brieftasche spazieren trägt. Statt es zu entsorgen, hat er es zum Glückskondom erklärt. Die Freunde finden das fragwürdig, Toni findet das hoffnungsvoll. Das Publikum findet es zum Schreien.
„Es ist eine Wanderung, die Lebensfragen aufwirft, Freundschaften auf den Prüfstand stellt und Verhaltensweisen hinterfragt.“
So beschreibt die OZ den Abend. Auf Plattdeutsch klingt das natürlich besser, aber das können Sie sich ja denken.
Plattdeutsch ist kein Hindernis, sondern Bonus
Die Zuschauer in der M*Halle waren sich einig: Das Stück funktioniert auch, wenn man nicht jedes Wort versteht. Was in Schwerin allerdings ohnehin die Standardsituation bei Behördengängen ist. Die niederdeutsche Sprache verleiht den Dialogen eine Direktheit und Wärme, die auf Hochdeutsch mindestens drei Therapiesitzungen gekostet hätte.
Am Ende des Abends wischten sich die Zuschauer Tränen aus den Augen. Ob vor Lachen oder Rührung, ließ sich nicht immer unterscheiden. In Schwerin ist das bekanntlich dasselbe.
Noch Karten verfügbar
Wer das plattdeutsche Gefühlschaos selbst erleben möchte: Weitere Vorstellungen gibt es am 30. Januar und 11. Februar (jeweils 19:30 Uhr) sowie am 8. Februar um 18 Uhr in der M*Halle. Tickets gibt es online und an der Abendkasse. Reiswaffeln sind mitzubringen.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
