Es sollte der absolute Höhepunkt des Schweriner Konzertsommers werden. Camouflage, die Synthiepop-Legenden aus Bietigheim-Bissingen, wollten am 15. August die Pappelpark-Bühne zum Beben bringen. Doch daraus wird nichts: Der Konzertveranstalter Arivati Entertainment aus Görlitz hat Insolvenz angemeldet. Damit stirbt nicht nur ein Konzert, sondern auch Schwerins letzter Funke kultureller Relevanz.
Görlitz macht Schwerin den Sommer kaputt
Die Arivati Entertainment GmbH, offenbar der einzige Veranstalter, der sich überhaupt noch traute, Events in Schwerin zu organisieren, konnte die steigenden Kosten nicht mehr stemmen. Beim Amtsgericht Dresden wurde Insolvenz eingereicht. Der Geschäftsführer erklärte, man sei „nicht mehr in der Lage, Veranstaltungen kostendeckend durchzuführen“. Überraschend? In einer Stadt, in der man für ein Konzertticket auch gleich einen Gebrauchtwagen bekommt?
„Wir hatten eine Reise aus Dänemark mit Hotelübernachtung geplant“, schrieb ein Fan auf Social Media. Schwerin als internationales Reiseziel. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen.
Selbst die Band wollte auf Gage verzichten
Besonders tragisch: Camouflage selbst zeigten sich „sehr enttäuscht“ und boten sogar an, auf einen Teil ihrer Gage zu verzichten. Wenn selbst eine Band, deren größter Hit aus dem Jahr 1988 stammt, bereit ist, für weniger Geld in Schwerin zu spielen, und es trotzdem nicht klappt, dann hat die Landeshauptstadt ein Problem, das über die übliche Tristesse hinausgeht.
Zuvor war bereits ein Konzert der Band Mesh im Juli dem gleichen Schicksal zum Opfer gefallen. Sebastian Glanz, Betreiber der Pappelpark-Bühne, sprach von einem „enormen finanziellen Verlust“. Der Schweriner Konzertsommer schrumpft damit auf das Format eines Konzertnachmittags zusammen.
Tickets werden erstattet, Träume nicht
Immerhin: Die rund 40 Euro teuren Tickets sollen laut Insolvenzverwalter Christian Stunz erstattet werden. Fans sollen sich direkt an dessen Kanzlei in Dresden wenden. Ob auch das Hotel in Dänemark, der Tank für die Anreise und die seelischen Schäden erstattet werden, ist fraglich.
Auf der Instagram-Seite von Arivati sind weiterhin Veranstaltungen für die nächsten Monate angekündigt, darunter das „Dark East“-Festival 2026. Ob diese stattfinden, steht in den Sternen. Oder, wie man in Schwerin sagt: im Nebel.
Quelle: t-online
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