Die CDU-Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung wollte hoch hinaus: Das Areal am Stadthafen sollte künftig „Europapromenade“ heißen. Klingt groß, klingt international, klingt nach Aufbruch. Der Hauptausschuss sah das anders und entschied: Der Beutel heißt weiterhin Beutel.
CDU wollte Europa an den Hafen bringen
Schwerin sei eine weltoffene Stadt, argumentierte die Union. Seit dem Welterbe-Titel 2024 für das Residenzensemble blicke die internationale Öffentlichkeit auf die Landeshauptstadt. Es gebe Städtepartnerschaften, EU-Förderprojekte, europäische Verbundenheit. Aber keinen einzigen Platz in der ganzen Stadt, der das Wort „Europa“ im Namen trage.
Die CDU schlug vor, dieses Versäumnis am attraktivsten Fleck der Innenstadt zu beheben: dem Beutel. Der Bereich am Stadthafen, der als Veranstaltungs-, Erholungs- und Sportfläche dient, sollte Europa gewidmet werden.
Der Gegenantrag von Grünen/Die Partei und Unabhängigen Bürgern/FDP war so simpel wie effektiv: Warum umbenennen, was die Schweriner seit Jahrzehnten einfach „Am Beutel“ nennen?
Tradition schlägt Pathos
Die Gegenseite setzte auf lokale Identität statt europäischem Größenwahn. Der Name „Am Beutel“ sei seit Jahren ein fester Begriff im Sprachgebrauch der Schweriner. Anwohner und Gäste würden ihn selbstverständlich verwenden. Durch die offizielle Bezeichnung werde ein „gewachsener, historisch verankerter Ortsname“ anerkannt.
Die Ortsteilvertretung Schelfstadt, Werdervorstadt und Schelfwerder unterstützte den Gegenantrag. Im Hauptausschuss fand er dann auch eine Mehrheit. Europa muss sich einen anderen Platz in Schwerin suchen.
Insider vermuten, dass der Name „Europapromenade“ vor allem an einer Sache gescheitert ist: Kein Schweriner hätte jemals gesagt „Lass mal zur Europapromenade gehen.“ Dafür ist der Beutel einfach zu sehr Beutel.
Quelle: Nordkurier
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