Gesellschaft

Abschied mit Ansage: Schwerins letzter Löwe wandert nach Dänemark aus

Was viele Schweriner insgeheim schon lange befürchtet haben, ist nun Realität geworden: Selbst die Löwen verlassen die Landeshauptstadt. Der junge Asiatische Löwenkater Santosh hat den Zoo Schwerin verlassen und ist in den Zoo Aalborg nach Dänemark umgezogen. Offiziell im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Inoffiziell: weil er es konnte.

Santosh, geboren in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2024, hatte sich laut Zoodirektor Dr. Tim Schikora „schneller entwickelt als alle bisherigen Nachzuchtkater“. Was in der Tierwelt als positives Zeichen gilt, liest sich im Kontext der Landeshauptstadt eher wie ein Fluchtinstinkt.

Wenn der Vater zum Fluchtgrund wird

„Santosh hat sich gegenüber seinem Vater Shapur immer selbstbewusster gezeigt.“

So erklärte Schikora die Hintergründe. In freier Wildbahn würde der Vater den Jungkater vertreiben. Im Zoo Schwerin brauchte es dafür ein europäisches Zuchtprogramm und einen Transportwagen Richtung Dänemark. „Wir sind stolz auf ihn“, so Schikora. Ob Santosh das Gefühl erwidert, ist nicht überliefert.

Bessere Chancen als im Schweriner Nachtleben

Bemerkenswert: In Aalborg warten bereits zwei Löwinnen auf den Schweriner Kater. Damit hat Santosh in Dänemark bessere Perspektiven als so mancher Schweriner Junggeselle im Nachtleben der Landeshauptstadt.

„Das Ziel ist es, dass Santosh in Dänemark selbst Nachwuchs zeugt.“

Eine Karriereplanung, die man sich in der Schweriner Wirtschaftsförderung so klar auch mal wünschen würde.

Abwanderung mit Tradition

Immerhin: Santosh ist bereits der dritte Jungkater, den Schwerin innerhalb kurzer Zeit ziehen lässt. Auch seine Brüder Ravi und Tarak verließen den Zoo 2025. Man könnte fast meinen, es handele sich um einen Trend.

„Es ist der natürliche Lauf der Dinge.“

Kritiker merken an, dass dieser Satz auch auf die Abwanderung junger Fachkräfte aus der Landeshauptstadt zutreffen könnte.

Die gute Nachricht: Asiatische Löwen sind stark gefährdet, weltweit existieren nur einige hundert Individuen. Dem Schweriner Zoo kommt mit fünf erfolgreichen Nachzuchten seit 2023 eine tragende Rolle zu. Schwerin ist damit international bedeutend – zumindest für eine Tierart, die vom Aussterben bedroht ist. Aber man nimmt ja, was man kriegen kann.

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